rPET – Verpackung nachhaltig gedacht!

Ob für Milch, Soße oder Säfte, in jedem Haushalt sind Getränkeverpackungen zu finden. Sie sind relativ leicht (durchschnittlich nur etwa 30 Gramm) und trotzdem robust. Vor allem aber sorgen sie für eine lange Haltbarkeit und den Schutz des Inhalts. Ist die Verpackung leer, entsorgen wir sie in der Recyclingtonne. Der Kreislauf fängt von vorne an. Zumindest möchte man das meinen. Denn so einfach ist es dann doch nicht - außer in der Verpackung wird geschäumtes rezykliertes PET (rPET) eingesetzt.

Recycling-Problematik

Damit ein Getränkekarton alle geforderten Eigenschaften erfüllt, werden unterschiedliche Materialien zu einem Verbund kombiniert. Neben Holz kommen zum Beispiel mehrere Lagen Polyethylen zum Einsatz. Um den Inhalt ohne Konservierungsstoffe ungekühlt über einen längeren Zeitraum aufbewahren zu können, wird eine Aluminiumfolienschicht als Gasbarriere eingearbeitet. Genau dieses Foliengemisch stellt die Technik allerdings vor besondere Herausforderun-

Geschäumtes rPET ist DIE Alternative zur herkömmlichen Getränkeverpackung.

gen: Da die Schichten im Recyclingprozess nicht sauber voneinander getrennt werden können, ist eine Wiederverwertung schwierig. Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wurden 2016 nur knapp 36% dieser Verpackungen recycelt - zum Teil nur thermisch. Diese thermische Verwertung ist allerdings keine Recycling-Maßnahme nach EU-Abfallrahmenrichtlinie, da damit keine neuen Produkte entstehen.

Alternative: geschäumte rPET-Folie

"Die Lösung ist geschäumtes rPET als Ersatz für den Karton", sagt Sven Wolf, Geschäftsführer der Leistritz Extrusionstechnik GmbH. "Die Idee dafür kommt von ForPET, einem sehr innovativen, russischen Unternehmen. Interessanterweise war nicht die Wiederverwertung der Hauptgrund, sondern die Reduktion von Holzfasern in Einwegverpackungen." Nachdem es in Russland keine ausgeprägte Wiederverwertung von Papier gibt, werden für die Erzeugung von Getränkekartons zum Großteil neue Holzfasern eingesetzt. Der exzessive Holzverbrauch führt jedoch in Sibirien zu einer zu starken Holzentnahme und damit einhergehend zu einer Versteppung der Landschaft. Dies wiederum betrifft auch die Reduktion der Permafrostböden mit entsprechenden weitreichenden Umweltproblemen.

Die Innovation, rPET für Getränkekartons zu verwenden, entstand in verschiedenen Diskussionsstufen und wurde schließlich auch weltweit als Produkt von ForPET patentiert. Bei der Umsetzung griff man auf einen anerkannten Innovator und Systemlieferanten - die Leistritz Extrusionstechnik GmbH - zurück. "Mit unseren Partnern haben wir eine Anlagentechnologie getestet, die es ermöglicht, rPET Granulate zu hochwertigen Schaumfolien zu extrudieren. Dies stellt eine zu 100% wiederverwertbare Alternative zum herkömmlichen Verbundmaterial dar." Neben Leistritz sind an diesem trendgebenden Entwicklungsprojekt Recycling-Spezialist NGR und Folienhersteller Kuhne beteiligt. Als "junges" und innovatives Unternehmen wird ForPET gemeinsam mit Investoren ein kommerzielles Entwicklungszentrum in Russland etablieren. Es wird erwartet, dass damit die finale Entwicklung bis Ende 2020 abgeschlossen sein wird. Danach werden auch die ersten kommerziellen Produkte ihren Weg in den Markt finden. Internationale Marken, wie ein weltweit führender Getränkehersteller, aber auch institutionelle Investoren zeigten bereits großes Interesse anlässlich der ersten Designvorstellung des Produktes am Stand der Leistritz Extrusionstechnik auf der K 2019.

Unser Ziel war es, ein Material zu schaffen, dass Wiederverwertung ohne Limitierungen zulässt. Das ist uns gelungen und mittlerweile haben wir es weltweit patentieren lassen.

Sergey Nikitenko, Geschäftsführer ForPET

Prozess

Für die Herstellung der geschäumten rPET-Folie sind mehrere Verfahrensschritte notwendig: Die Aufbereitung der r-PET Flakes mit entsprechenden Additiven erfolgt im Leistritz- Doppelschneckenextruder. In Kombination mit einem LSP Reaktor (Liquid State Polykondensation) von NGR entsteht ein maßgeschneidertes Granulat oder bereits direkt eine Schmelze für das nachgelagerte Schäumen. Die Beladung der Schmelze mit einem physikalischen Treibmittel erfolgt ebenfalls in einem Leistritz-Doppelschneckenextruder, um von dort in die Folienextrusionsnachfolge von Kuhne zu gelangen. Hier entsteht dann die Schaumfolie, die weiterverarbeitet werden kann und voll recyclingfähig ist.

Leistritz Aktiengesellschaft